QINGDAO – TSINGTAU, CHINA – Eine ehemalige deutsche Marinestadt unter chinesischem Denkmalschutz
18.01.2023
18:30 Uhr

Vortragsveranstaltung von Dr.-Ing. Sebastian Storz, Architekt und Bauhistoriker (Forum für Baukultur Dresden e.V.) sowie Dipl.-Ing. Susanne Reichle, wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Qingdao, die Hauptstadt der östlichen Provinz Shangdong am Gelben Meer, Handelsmetropole mit ca. sechs Millionen Einwohnern, besitzt eine nach deutschem architektonischem Einfluss entworfene historische Altstadt. Qingdao ist zudem berühmt für sein nach deutschem Vorbild gebrautes Qingdao-Bier. Die Stadt stand 1897 (Pachtvertrag 1898) bis 1914 als Hauptstadt des „Deutschen Schutzgebietes Kiautschou“ unter deutscher Herrschaft. Verwaltet wurde Qingdao durch das Reichsmarineamt des Deutschen Kaiserreiches und hatte im Rahmen des damaligen Kolonialbesitzes Deutschlands eine Sonderstellung. Imperiale Vorstellungen des damaligen Deutschen Kaiserreiches beinhalteten die Erkenntnis, dass ohne Ausbau der kaiserlichen Marine, dem Ausbau der Flotte, wie auch der für den Außenhandel zentralen Hochseeflotte, eine Politik von Weltmachtgeltung nicht realistisch erschien. Unter dem deutschen Einfluss entwickelte sich diese Kolonie zur „Musterkolonie“ der damaligen Zeit. Auf hohem Niveau wurden Verwaltung, Architektur, Schulsystem, Postwesen, Hafenanlage und medizinische Infrastruktur nicht nur ausgebaut, sondern wesentlich weiterentwickelt. Einige Bauten aus der Zeit des deutschen Einflusses sind bis heute erhalten: z.B. die protestantische Kirche (nach Entwürfen des deutschstämmigen Architekten Curt Rothkegel), die Residenz des Gouverneurs oder die Brauerei. Obgleich in Asien gelegen, überrascht noch heute die Symbiose zweier Kulturräume mit ihren in die Zukunft weisenden Impulsen. Die Altstadt wurde, in Anerkennung deutscher architektonischer Leistung, durch China unter Denkmalschutz gestellt.

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